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Mutter und Tochter

 

‘Dürfen wir die Musik aufnehmen?’ ‘Ja, für Ihre private Nutzung gerne.’ 

Ich würde etwas Ruhiges von Mozart spielen. Wir stellten das Handy der Tochter so an einen Blumentopf am Fenster, dass es die Harfe filmen würde. Die Tochter hatte so ihre Hände frei und konnte bei der Mutter am Bett sitzen. Auch das zweite Stück - das Ave Maria von Schubert, wurde aufgenommen. Mutter und Tochter waren sich, während ich spielte, sehr nahe und machten zusammen diesen Moment zu einem sehr kostbaren. Es berührte mich sehr. 

Ein paar Wochen später war ich wieder im Hospiz. Die Mutter war bereits gestorben, doch die Tochter wartete auf mich. Sie kam extra noch mal ins Hospiz, um mich zu bedanken für den besonderen Moment von damals. Sie wollte mir erzählen, wie die Mutter gehen konnte:

Sie war, nachdem ich für die beiden gespielt hatte, jeden Tag am Bett ihrer Mutter. Die Mutter wurde immer schwächer. Und irgendwann war von mehreren Seiten die Idee da, sich von der Mutter zu verabschieden und sie nicht mehr zu besuchen, um ihr so die Gelegenheit zu geben, loszulassen und zu gehen. 

Doch die Mutter ging nicht. 

Nach mehreren Tagen beschloss die Tochter, aus einem Impuls heraus die Mutter doch noch mal zu besuchen. Sie hat sich dann ans Bett der Mutter gesetzt, war ihr nahe, und hat mit ihr noch mal die beiden Aufnahmen angehört. Mozart haben sie noch zusammen gehört. Nach den letzten Tönen von Schuberts Ave Maria sah die Tochter, dass ihre Mutter friedlich eingeschlafen war.


 


 

Erzählung 6

Renovierte Räume