Renovierte Räume 

 

Das Hospiz Karl Josef in der Türkenlouisstraße öffnet, nach 3 Jahren Umbau und Renovierung, seine Türen. Alles ist vorbereitet, die Gäste werden nächste Woche einziehen. Vor der Einweihungsfeier gehe ich durch das erneuerte ‘alte’ Haus, durch den langen Flur und schaue mir die renovierten Räume an. 

Ich bin in den letzten Jahren, zusammen mit meiner Harfe, oft durch den Flur des Hospizes gegangen. Die Zimmertüren der Gäste sind meistens angelehnt oder zu. Hinter ihnen finden Lebensgeschichten statt und gestalten sich Lebens-Enden. Ich achte diese Räume - und ergänze oder begleite sie immer wieder mit meinen Harfenklängen.

Und jetzt, hier, im noch leeren Hospiz, in dem alle Türen zu den Zimmern offen sind, alles so liebevoll renoviert und vorbereitet ist, die Zimmer und Betten noch leer sind, bin ich sehr berührt. Am Meisten bewegt mich der Anblick der leeren Betten - ich spüre einen Schmerz und Gefühl der Einsamkeit, bekomme kurze Flashbacks von einzelnen Gästen, für die ich gespielt habe. Was sind das für Gefühle, die in mir hochkommen, wenn ich die leeren Betten sehe? Obwohl ich als Harfenistin im Hospiz damit immer zu tun habe und gut umgehen kann? Tue ich mir schwer mit der Vorstellung, dass jemand hier am Ende seines Lebens nicht nur krank, sondern vielleicht auch mit einem Gefühl von Einsamkeit sterben könnte? 

In einem Versuch zu verstehen fange ich an, in das Gefühl hinein zu spüren, das ich kenne, wenn die Räume des Hospizes gefüllt sind. Und ich erkenne eine sanfte Fülle, eine Dichte im Raum. Ich sehe viele Helfer und verstehe, dass die Gäste umgeben werden von den vielen 'Engeln', die in diesem Umfeld tätig sind. Bis zum Lebensende sind die Sterbenden in diesen Räumen einge-’bettet’ und geborgen. Es besteht ein Miteinander, getragen durch das Leben der Sterbenden, durch die Besuchenden, durch die Palliativ-Pflegefachkräfte, Ehrenamtliche, Putzkräfte, Ärztinnen, Physiotherapeutinnen, durch die Kunsttherapeutin und die Harfenistin. 

Dass ein Mensch aufgrund seiner fortgeschrittenen, unheilbaren Erkrankung und dadurch begrenzten Lebenszeit als Gast zu uns ins Hospiz kommt, daran kann ich nichts ändern. Ich kann auch nicht verhindern, dass er/sie in seiner Zeit im Hospiz vielleicht auch Phasen der Einsamkeit erlebt. Aber ich setze mich, als eine der vielen Helfenden, gerne mit meiner Harfe ans Bett und spiele. Und vielleicht kann die feine, seelisch und physisch umsorgende und unterstützende Umgebung des Hospizes dem Gast ein heilsames Gefühl von Geborgenheit geben und so ein Sterben in Sanftheit und Frieden ermöglichen. Auch, gerade auch, in einem Bett, in einem Zimmer, im liebevoll renovierten Hospiz Karl Josef.