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Hinter den Türen
Ich möchte beschreiben, was ich vom ‚Hospizalltag‘ mitbekomme wenn ich da bin, und meine (möglicherweise laienhaften) Gedanken dazu formulieren.
Hinter den Türen des Hospizes wirkt es auf mich manchmal wie eine Oase: es gibt dort eine große Ruhe, Sorgfalt, Achtsamkeit vor und in den letzten, verbleibenden Tagen, Wochen oder manchmal auch Monaten. Es sind immer Menschen da, sowohl Gäste als auch Pflegepersonal und das Haus ist für Verwandten durchgehend (telefonisch) erreichbar. Die Uhr hat weniger Bedeutung, man wartet ab was kommt: niemand kann wirklich planen oder vorhersagen.
Es gibt natürlich trotzdem so was wie einen gestalteten Alltag: gemeinsames Frühstück, gemeinsamen Kaffee & Kuchen, gemeinsames Abendessen - alles wo weit, wie es den Gästen möglich ist. Manche nehmen nicht teil, vielleicht wollen sie einfach ihre Ruhe, oder können sie nicht mehr aufstehen. Oder können nicht mehr gut essen, und sitzen dann auch nicht gerne mit am Tisch. Es werden manchmal Brettspiele gespielt, es kommen spezialisierte Physiotherapeuten vorbei, mancher Psychotherapeut begleiten ihre Patienten auch in dieser Phase, es werden Geschichten ausgetauscht, es gibt Kunsttherapie.
Die Zimmer können von den Gästen und ihren Familien ganz individuell gestaltet werden. Die Möbel sind verschiebbar, die Bilder an der Wand kann man runternehmen und eigene aufhängen. Manche bringen nur wenig persönliche Gegenstände mit, und lassen das Zimmer weitgehend so, wie sie es vorfinden. Andere Zimmer werden zu einem komprimierten Form vom ‚alten‘ Zuhause, oder auch zu einem Ausdruck der persönlichen Vorlieben.
Vielleicht wollen das manche so haben, eine Art von (emotionale?) Neutralität. Vielleicht kommen manchen Angehörige nicht auf die Idee, groß was daraus zu machen oder fällt ihnen nicht so viel ein. Vielleicht hat der Gast nicht die Kraft, eigene Wünsche zu äußern, oder möchten manche sehr Bescheidenen keine Umstände machen. Vielleicht müssen beide Seiten diesen ‚Umzug’ erst mal auf einer anderen Art verarbeiten. Aber das sind so meine persönliche Vorstellungen dazu. Mir ist bewusst, dass alles Geschehen Vielschichtig ist, und meine Meinung ist darum nicht so wichtig. Ich denke nur (bei alles Weisheit ;-)) manchmal so leise vor mich hin.
Doch manche Kleinigkeiten (oder auch Großigkeiten ) können so schön sein: die eigene Bettdecke, Familienfotos, Bilder von langjährigen, geliebten Lebensbegleiter (z.B. der grünen Papagei), eine große Maria-Statue, SC Freiburg-Fahnen….
Wenn ich in die Situation kommen würde, ins Hospiz ziehen zu müssen, hätte ich sehr gerne eine kleine Troubadour-Harfe mit in meinem Zimmer. Man könnte darauf spielen (ich am Ende wohl eher nicht mehr), das muss aber auch nicht sein. Ihre ‚Anwesenheit‘ würde mir Vertrauen und Zuversicht geben.
Erzählung 3
Mitbewohner